In der Welt von PKDs „Ubik“ gehören parapsychologische Phänomene wie Präkognition oder Telepathie zum Alltag der so genannten „Psis“. Diese Fähigkeiten werden zur Manipulation anderer Menschen benutzt oder von den Anti-Talenten zur Verhinderung dessen.
Man kann jeweils Talente für Geld mieten, wobei vor allem größere Unternehmen diese Dienstleistung in Anspruch nehmen um andere Firmen auszuspionieren und sich einen Vorteil davon erhoffen. Der Machtkampf befindet sich dabei in einem Kreislauf: Die eine Firma setzt Talente ein, die andere Anti-Talente und das gleiche anders herum, bis in die Unendlichkeit.
Die junge Pat Conley hat dabei ein außergewöhnliches Talent: sie kann Geschehen in der Vergangenheit verändern, sodass sich automatisch die Gegenwart ändert. Es handelt sich hierbei um keine Zeitreise im klassischen Sinne, da sie nicht zurückreist und auch nur die Vergangenheit manipulieren kann, an die sie sich erinnern kann.
Pat Conley ist nach solch einer Veränderung der Zeit, die einzige die sich an eine alternative Vergangenheit und demnach auch Gegenwart erinnern kann.
Dieses Phänomen dringt dabei sehr stark in den Erzählstil von Philip K. Dick ein. Denn der personale Erzähler aus der Sicht des Hauptprotagonisten Chip kann nur das wiedergeben, was gerade in der Gegenwart passiert. Ein Beispiel:
Chip und Pat stehen im Büro ihres Bosses. Laut dem Fluss der Erzählung haben sie zu diesem Zeitpunkt nur eine Affäre über eine längere Zeitspanne miteinander. Plötzlich jedoch stellt Chip seinem Boss seine „Frau“ Pat vor, ohne dass jemals geklärt wird, weshalb sie nun seine Frau ist, wann sie geheiratet haben oder woher der Ring am Finger herkommt.
Keinem, außer dem Leser fällt somit auf, dass eine Manipulation der Zeit stattfand. Diese Erzählweise bringt somit nicht nur eine Wendung des Plots mit sich, sondern dient auch der Schärfung des Sinnes des Lesers, da er hinter jeder Veränderung eine Manipulation vermuten kann.
Um eine Analogie dieser Vergangenheits/Gegenwarts-Manipulation zu unserem Alltag zu schlagen, muss man sich nur das Medium Internet genauer betrachten. Dort findet solch eine Manipulation wahrscheinlich alle paar Minuten statt:
Denn das Internet bzw. die Webseiten haben die Eigenschaft, dass sie jederzeit veränderbar sind. Verfasst zum Beispiel ein Online-Redakteur eine Nachricht mit einer Unwahrheit, kann er diese schon am nächsten Tag beseitigen. Spricht man den Autor auf diese Unwahrheit an, beruft er sich auf seine Seite, in der nun natürlich kein Fehler mehr enthalten ist. Der nicht forschende Leser hat dabei nicht die Möglichkeit, wie beim Fernsehen oder einem Buch, sich auf eine ältere Version zu beziehen die einen Mangel vorweist. Er ist somit immer der Ausgelieferte, der dem Online-Autor glauben schenken muss, dass der geschriebene Artikel mit dem intendierten Text übereinstimmt. Wie bei Dick wirkt sich die Manipulation des in der Vergangenheit geschriebenen so direkt auf die Gegenwart aus. Jedoch fällt die Manipulation nicht auf, nur der Verfasser weiß bescheid.
Etliche Vorfälle dieser Art sind unter anderen im Blog “Bildblog” dokumentiert, der neben Unwahrheiten im deutschen Zeitungswesen auch Manipulationen im Web behandelt.
Eine ähnliche Form der Manipulation findet weiterhin bei Online Enzyklopädien statt, wie zum Beispiel bei der bekanntesten: Wikipedia.
Jeder Nutzer darf anonym Beiträge beisteuern und verändern, egal ob zielgerichtet Unwahrheiten, politische Aussagen oder moralische Ideologien verbreitet werden. Zwar kontrollieren Benutzer und Administratoren die einzelnen Artikel und stellen diesen z.B. auf einen „besseren“ Zustand zurück. Jedoch kann niemals verhindert werden, dass zufällig jemand auf einen Artikel stößt, der nur einige Minuten vorher im negativen Sinne manipuliert wurde und somit im Irrglauben verweilt, dass er auf ein allgemeines Wissen stößt, welches von vielen Leuten der Welt zusammengetragen wurde. Dass Wikipedia eine unseriöse Quelle darstellt, wird dabei im Hinblick auf den Komfort und das reiche Angebot an „Wissen“ oft heruntergespielt.
Die Popularität von Wikipedia bietet dabei natürlich ein herrliches Feld zur Manipulation von Wissen. Durch eine IP-Software wurden so zum Beispiel Eintragsmanipulationen von Computern des Vatikans nachgewiesen: Passagen über einen nordirisch-katholischen Politiker wurden gelöscht und somit Hinweise auf eine mögliche Beteiligung eines Mordanschlags. (Quelle)
Auch etliche Firmen verändern Einträge zum Ungunsten von Konkurrenten, die sich dann revanchieren: ein Machtkampf ohne Ende wie in der Welt von Ubik entsteht.
Eine Anmerkung: Auch dieser Blog kann manipuliert sein. Da sich fünf Personen hier einloggen können, kann jemand heimtückisch den Eintrag des anderen manipulieren, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht wurden auch die Entstehungsdaten der Einträge nachträglich verändert um der zeitigen Abgabe in diesem Semester gerecht zu werden. Wer weiß…
V.S.