UBIK manipuliert. Dich.

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Was ist UBIK?

Das ist eine ziemlich gute Frage, die man auch nach dem Lesen des gleichnamigen Romans nicht wirklich beantworten kann. Ganz sicher ist nur, dass Philip K. Dick seinem Werk diesen Titel verliehen hat, wahrscheinlich um den Zuschauer während dem Lesen im Regen stehen zu lassen. Der Arbeitstitel des Romas lautete übrigens: „Death of an Anti-Watcher“ (S.7, Vorwort).

Die Wahl des Titels macht einen zunächst sehr stutzig, denn in den ersten 10 von 17 Kapiteln kommt das Wort „Ubik“ in der eigentlichen Handlung nicht vor.
Zu Beginn jedes Kapitels gibt es jedoch eine Art Zitat und Werbespruch, in der „etwas“, nämlich Ubik, als „Allheilmittel“ für jegliche Dinge dargestellt wird:

„Freunde! Wir räumen – und verschleudern alle unsere geräuschlosen Elektro-UBIKS zu einem Spottpreis. Ja, wir werfen sie förmlich weg. Und denken Sie daran: Jeder unserer UBIKS ist nur nach Vorschrift verwendet worden.“ (S. 15)

„Starten sie in den Tag mit einem Teller gesunder, wohlschmeckender UBIK-Flocken – jetzt noch knuspriger! Hmmm … ein Genuss bis zum letzten Löffel. Pro Mahlzeit nicht mehr als angegeben zu sich nehmen.“ (S. 249)

Mit dem Titel und diesen Sprüchen konfrontiert erwartet man nun als Leser, dass schlussendlich aufgeklärt wird, was denn Ubik nun sei. Diese Frage bleibt zunächst unbeantwortet und allein diese Tatsache verändert schon den Stil des Lesens. Man achtet stärker auf die Unregelmäßigkeiten in der wirren dargestellten Welt und glaubt in jeder Abnormalität eine Lösung auf diese Frage zu sehen.
Man wird aber getäuscht: Eine Antwort darauf wird immer weiter nach hinten verschoben. Im zehnten Kapitel taucht schließlich erstmals in der Geschichte dieses Ubik auf und man bekommt eine erste Lösungsmöglichkeit: Es ist eine Art Spray, welches Verfallsprozesse rückgängig machen kann. Doch auch diese Definition wird über den Haufen geworfen. Ubik wird nun als Salbe, als Glas mit verschiedenen Inhaltsstoffen und dann wieder als Spray bezeichnet, bis man am Ende auf folgenden Werbespruch stößt:

„Ich bin UBIK. Ich war, bevor das Universum war. Ich habe die Sonnen und die Welten gemacht. Ich erschuf das Leben und das Land für das Leben. Ich lenke es hierhin, ich lenke es dorthin. Es bewegt sich nach meinem Willen, es tut, was ich sage. Ich bin das Wort und mein Name wird niemals ausgesprochen, der Name, den niemand kennt. Ich werde UBIK genannt, aber das ist nicht mein Name. Ich bin. Ich werde immer sein.“ (S. 265)

Wie bitte? Erst hier stellte ich fest, inwieweit diese Werbesprüche, die Dick an den Anfang jedes Kapitels stellte, mich beim Lesen manipuliert und in die Irre geführt haben. Ich unterlag der Täuschung, dass die Worte und Sprüche im Buch in irgendeiner Weise zum Erzählen oder Erklären der Geschichte gehören, da sie ja ausdrücklich auf die Geschichte verweisen, wie z.B. das Wort UBIK oder die Form der Werbebotschaft, wie sie auch in der Handlung vorkommt. Doch weit gefehlt.
Diese Sprüche dienen wohl einzig der Manipulation, die Dick beim Leser zu erreichen versucht. Denn wenn ihm das gelingt wird, dann wird uns klar, dass wir letztendlich dem Erzähler geglaubt und eine logische Geschichte erwartet haben. Da Dick jedoch keine konventionelle Geschichte erzählen wollte, ist man auf ein Versprechen reingefallen, das wir selbst erschaffen haben. Eine Antwort auf die Frage was UBIK ist, war nie intendiert.

V.S.

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