Nanny

Philip K. Dicks Kurzgeschichte „ Nanny“ ist ein weiteres Beispiel für Manipulation im Alltag. Dick kreiert hier eine Welt, in der Roboter, sogenannte Nannys, die Erziehung von Kindern übernommen haben. Sie leben mit den Familien im Haushalt und übernehmen praktisch alle Aufgaben. Die Eltern sind dankbar und die Kinder lieben diese Maschinen. Es scheint, als habe jeder in dieser Welt eine solche Hilfe zu Hause.
Man wird schnell an die „käferähnlichen orangefarbenden Wesen“ aus „Simulacra“, Papoolas, erinnert. Auch sie sind Wesen, die jeder mag, aber hinter denen eine üble Werbestrategie steckt. Sie manipulieren die Menschen, indem sie mit ihrem süßen Auftreten und schmeichelnden Worten die Menschen zu einem Raumschiffkauf „überreden“. Den Menschen in Simulacra ist bewusst, dass sie manipuliert werden (s. S. 64) und dennoch können sie sich nicht wehren und kaufen sich doch ein Loony Luke Raumschiff zum Mars.
Ganz ähnlich ist die Situation in „Nanny“. Auch hinter diesen, auf den ersten Blick so nützlichen Helfern im Alltag, steckt ein großes Vermarktungsprojekt, welches die Familien dazu bringt, sich immer wieder ein neues, besseres Modell zu kaufen.
Diese Kindermädchen haben nämlich einen großen Nachteil: Sie bringen sich gegenseitig um. Treffen zwei Nannys aufeinander, vergessen sie alle ihre Aufgaben und konzentrieren sich nur noch auf das andere Modell. Sie kämpfen miteinander, bis das schwächer gebaute Modell kaputt ist.
So kommt es nun auch in der von Dick beschriebenen Familie. Sie haben ein etwas älteres Modell, mit dem sie eigentlich sehr zufrieden sind. Doch es kommt zu einem Kampf mit einem anderen größeren Modell, wobei das der Familie stark beschädigt wird. Der Familienvater glaubt zuerst an einen Unfall und möchte es reparieren lassen. In der Werkstatt wird ihm sofort ein neueres Modell angeboten, doch er beharrt auf der teureren Reparatur. Die alte Nanny kann allerdings nicht mehr wieder voll hergestellt werden und schon beim nächsten Kampf mit einem noch größeren, orangefarbenden Modell „stirbt“ es. Daraufhin beeilt sich der Vater eine neue Nanny zu kaufen. Er kauft sich ein sehr teures Modell, mit „Hochgeschwindigkeits- Scherenklaue plus Fernbedienung“, welches in „nur fünfzehn Sekunden nach dem Einschalten kampfbereit“ ist. Dem Vater ist vollends bewusst, mit was für einer Verkaufstrategie er es hier zu tun hat. Er spricht den Verkäufer sogar darauf an, wirft ihm vor, dass die Firmen jedes Jahr noch größere, kampftauglichere Modelle bauen, um den Markt letztendlich zu beherrschen. Doch dieses Wissen hält ihn nicht davon ab, auf die Verkaufsstrategie einzugehen. Er unterliegt dem allgemeinem Zwang, ganz wie die Käufer eines Loony Luke Raumschiffes den Papoolas unterliegen.
Es handelt sich um eine ganz offensichtliche Manipulation gegen die sich die Menschen anscheinend nicht wehren können. Es gibt für sie keine Ausweichmöglichkeit oder Alternativen, wenn sie einmal im „Verkaufsnetz“ gefangen sind.
In „Nanny“ kommt allerdings noch ein weit kritischerer Punkt hinzu. Die Kindermädchen führen einen Krieg untereinander, sind also im Grunde Waffen. Sie kämpfen gegen eine Nanny einer anderen Familie. Der Wettbewerb zwischen den Firmen wird zu einem Wettbewerb zwischen den Familien, man kann es fast schon als ein Krieg bezeichnen. An der Reaktion des Vaters, und auch der anderer (am Ende der Geschichte wird eine weitere solche Situation beschrieben), merkt man, dass es sie persönlich wütend macht. Aber nicht, wie man annehmen sollte, auf die Firmen, sondern auf die besseren Modelle anderer Familien. Es geht nur noch darum, wer wen besiegen kann. Die ursprüngliche Idee eines Kindermädchens wird vollkommen vernachlässigt und die neuen Modelle rein nach Kampftauglichkeit ausgesucht.
Während die Papoolas in „Simulacra“ die eher harmlose Idee des Auswanderns zum Mars verkörpern, beginnen die Nannys einen Krieg.

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